„Ach komm, das schaffen wir jetzt auch!“

„Wer andere begeistern will, muss selbst begeistert sein“, sagt David Kadel, Buchautor und Inspirationstrainer der Leichtathletik-Nationalmannschaft und in der Fußball-Bundesliga. Die KUCK-Redaktion hat sich mit ihm darüber unterhalten, wie diese Begeisterung auch in Krisen helfen kann, neuen Mut zu schöpfen.

David Kadel
David Kadel arbeitet als Mentalcoach in der Fußball-Bundesliga © Foto David Kadel

Guten Tag, Herr Kadel! Sie haben viele Jahre lang mit verschiedensten Sportler-Persönlichkeiten zusammengearbeitet. Was sagen Sie einem Trainer, der zu Ihnen kommt und Hilfe sucht, weil er mit seiner Mannschaft eine Niederlage nach der nächsten einfährt?

Letztendlich geht es immer darum, wie wir mit Menschen umgehen. Das hat Jürgen Klopp wie kein anderer Trainer verstanden – ich hab 5 Jahre ganz eng mit ihm in Mainz arbeiten können, da war er noch nicht so bekannt und ich durfte ihm daher oft über die Schultern schauen. Ich würde einem Trainer, aber auch einem Manager – ich arbeite auch viel mit Unternehmen – immer sagen: Es geht darum, wie du mit deinen Leuten umgehst, auch – oder vor allem – in der Krise, wenn es nicht läuft. Dann ist Charakter gefragt. Wie ist deine Führungsqualität, die da unten im Fußballstadion rauszuführen? Wie empathisch bist du, dass du dich in deren Köpfe hineinversetzen kannst? Mitarbeiter oder auch Fußballer wollen abgeholt werden, wollen verstanden werden. Also: Im Endeffekt hat es immer damit zu tun, sich in die anderen, in deren Köpfe, hineinzuversetzen und zu fragen: Was tut denen jetzt gut? Wie kann ich diese Leute inspirieren? Deswegen steht auch auf meiner Visitenkarte: David Kadel – Inspirationstrainer. Manchmal stolpern die Leute darüber und sagen: „Inspirationstrainer, was ist denn das? Hab ich noch nie gehört ...“ Und dann erkläre ich denen, dass ich letztendlich den Menschen, mit denen ich arbeite, immer beizubringen versuche, wie man andere inspiriert. Das kommt aus dem Lateinischen: inspirare, also etwas anzünden, entfachen. Von daher: Eigentlich jeder, der mit Menschen arbeitet, muss sich immer wieder fragen: Wie kann ich die wieder on Fire setzen, dass sie trotz dreier Niederlagen in Folge immer noch brennen und sagen: „So, wir stoßen den Bock jetzt um! Wir schaffen das!“ Das ist die große Kunst. Und da könnte man Bücher füllen ...

Und woher nehme ich diese Inspiration ganz konkret?

Die Frage ist super, genau da wird’s spannend! Wenn ich hundert Leute auf der Straße, die wie wir ganz normal durch den Alltag gehen, fragen würde: „Wann waren Sie zuletzt inspiriert?“, würden diese hundert Menschen erst mal Probleme kriegen und sagen: „Moment, also gestern hab ich fünfeinhalb Stunden ferngeguckt ...“ Zur Information: Jeder Deutsche guckt am Tag tatsächlich fünfeinhalb Stunden fern im Durchschnitt! Da ist noch kein Handy dabei, kein Tablet, kein Internet. Experten sagen, wir sind eine Reizüberflutungsgesellschaft: zu viele Reize, zu wenig Inspiration, letztendlich eine Erschöpfungsgesellschaft. Das heißt: Inspiration muss man suchen, das ist der Schlüssel! Wenn jemand wach wird und sein Leben mal beobachtet und sagt: Guck mal, ich sitz da und verschwende meine Zeit vorm Fernseher und wenn ich keinen hab, dann bin ich auf Instagram oder Facebook und gucke, wie Leute ihr Essen fotografiert haben und like die. Und denke dann: Was mach ich da eigentlich? Wann hab ich zuletzt für etwas gebrannt? Und dann fängt derjenige an, ganz selbstkritisch zu sagen: Ich hol mir mal bestimmte Bücher, Biografien von Leuten, die ich bewundere. Bei denen ich schon auf Seite 10 sage: Wow, was für ein toller Typ, dieser Jürgen Klopp, dieser Obama oder wer auch immer! Guck mir entsprechende Filme an, verschwende nicht meine Zeit mit Berieselung, indem ich am Tag drei Krimis glotze, in denen Leute umgebracht werden. Sondern ich schau dann, dass ich gezielt Filme gucke, die mich weiterbringen und mich inspirieren. In meinen Vorträgen biete ich den Leuten, die Lust auf Inspiration haben, auch immer an, ihnen eine Liste mit 50 inspirierenden Filmen zu schicken, wo ich bei jedem auch erkläre, warum dieser Film außergewöhnlich ist. Wenn ich die Glotze schon anmache, dann doch am besten für etwas mit Qualität. Und das ist dann eben, nennen wir es: Eigenverantwortung. Wenn jemand wach wird und merkt: Ich hab mich jahrelang nur berieseln lassen, jetzt nehm ich mein Leben selbst in die Hand und entscheide, was ich in meinen Kopf reinlasse und was nicht. Was raubt mir Zeit und was ist Quality Time? Ich glaub, erst dann fängt das Leben an, spannend zu werden.

David Kadel im BR
David Kadel in Aktion (Sendung STATIONEN im BR) © Foto David Kadel

Dankbarkeit als Kraft entdecken

Sie hatten in einem Ihrer YouTube-Videos neben Inspiration auch noch Dankbarkeit erwähnt. Welche Rolle spielt die für Sie?

Wahrscheinlich die größte Rolle überhaupt. ((lacht)) Gerade jetzt in der Corona-Zeit. Ganz schlimm, diese Zeit! Weil ich die Menschen liebe und es ganz furchtbar für mich ist, keinen privat sehen zu dürfen. Um da ein bisschen gegen anzukämpfen, sag ich meiner Frau jeden Morgen: „Komm, jeder von uns nennt fünf Punkte, für die er dankbar ist!“ Wir bezeichnen das Dankbarkeits-Tennis. Erst du, dann ich, dann wieder du usw. Und das macht etwas mit uns. Wer Dankbarkeit als Kraft entdeckt, der hat einen anderen Ausgangspunkt als jemand, der morgens aufsteht und nur auf all das schaut, was er in Deutschland nicht hat. Wir beschweren uns ja alle grad ganz schlimm, was uns genommen wurde. Kaum einer hilft uns zu sagen: Guck doch mal auf das, was du noch hast! An meinem Kühlschrank hängt so eine Schleife, auf der steht: 8 %. Das hatte ich in dem Video auch erwähnt. Im letzten Jahr hatte ich auf der Seite der UN gelesen, dass auf der ganzen Welt nur etwa 8 % der Menschen einen Kühlschrank besitzen! Das macht mich dankbar, dass ich zu diesem auserwählten Kreis der 8 % gehöre! Also: Es ist nicht viel, was man tun muss, um dankbar zu sein, aber es ist etwas ganz Aktives … Jeder, der mich hört: „Dankbarkeit ist wichtig“, würde sagen: „Ja, natürlich, Dankbarkeit ist wichtig.“ Da würden wir alle d’accord gehen. Aber Dankbarkeit wirklich zu leben, macht einen großen Unterschied dazu, nur zu wissen, dass sie wichtig ist. Also ich muss das schon auch verkörpern und vielleicht steckt das andere dann sogar an …

Neugierig geworden? Der vollständige Beitrag samt Interview ist nachzulesen im KUCK-Magazin Ausgabe 53 oder kann hier direkt heruntergeladen werden.

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