„Neuland ist immer auch ein Hoffnungsort“ – Astrophysiker Heino Falcke im Interview
Heino Falcke gelang 2019 das erste Foto eines Schwarzen Lochs – ein Bild, das um die Welt ging. Im KUCK-Magazin erzählt der Astrophysiker, warum uns das Unbekannte nicht schrecken sollte, wie Wissenschaft und Glauben zusammenpassen und wonach wir Menschen eigentlich wirklich suchen.
Lieber Herr Falcke, wie passt das für Sie zusammen: Wissenschaft und Glaube? Viele behaupten ja, das gehe nicht.
„Im Gegenteil – beides speist sich aus einer tiefen Neugier auf das Wesen der Welt. Wissenschaft ist eine Methode, um das Funktionieren der Welt zu kartieren – sie gibt mir eine Landkarte. Aber sie sagt mir nicht, warum ich auf dieser Landkarte unterwegs bin, wohin ich gehen soll, was das Ziel meines Lebens ist – und auch nicht, wer die Landkarte gezeichnet hat. Diese Fragen kann Wissenschaft grundsätzlich nicht beantworten. Ich brauche also immer auch Glauben – selbst in der Wissenschaft: Ich glaube meinen Kollegen, ich vertraue darauf, dass die Welt verlässlich ist. Und historisch waren viele große Wissenschaftler tatsächlich sehr gläubig. Wir brauchen eine sehr gute, sorgfältige Wissenschaft – und einen tragfähigen Glauben, um in dieser komplexen Welt bestehen zu können.“
Warum sind Menschen Ihrer Meinung nach so neugierig, warum wollen sie immer tiefer ins Unbekannte vordringen?
„Weil sich die Welt ständig ändert, hat der Neugierige die größte Chance, sich anzupassen – das ist sogar ein evolutionärer Vorteil. Aber es ist auch etwas zutiefst Menschliches. Die ganze Menschheitsgeschichte ist voll von Menschen, die ihre Heimat verlassen und Neuland erkundet haben – und von Menschen, die geblieben sind. Diese Spannung brauchen wir. In meinem Buch schreibe ich über die ‚Frucht der Erkenntnis' – ein sehr tiefer Gedanke in der Geschichte von Adam und Eva. Wir sehen diese Frucht, wir sind neugierig, wir beißen hinein. Seit wir denken, wissen wir um unseren Tod, unser Leid, unsere Probleme. Wissen ist nicht nur schön, es stellt uns vor enorme Herausforderungen.“
Könnte diese Neugier möglicherweise auch eine Suche nach dem Paradies sein? In der Science-Fiction denkt man sich ja ständig neue Zukunftsvisionen aus – manche düster, manche hoffnungsvoll. Aber die Faszination, wie es mit uns weitergehen könnte, scheint ja von Anfang an da zu sein.
„Ich denke, da haben Sie völlig recht. Wir sind tatsächlich auch auf der Suche nach etwas Paradiesischem. Das Paradies ist ein Hoffnungsort – genau wie Neuland am Anfang ein Hoffnungsort ist. Es ist eine Suche nach Heimat, nach einer paradiesischen Heimat, von der wir glauben, sie verloren zu haben. Manchmal erleben wir davon kleine Momente: Augenblicke, in denen es uns richtig gut geht, in denen etwas wunderschön ist. Aber diese Momente sind flüchtig. Dann suchen wir nach dem Ort, der uns dauerhaft dieses Gefühl von Geborgenheit, Schönheit, Angenommensein und Angekommensein gibt. Und in einer Welt, die sich ständig verändert, gibt es diesen Ort hier auf Erden nicht.“
Neugierig geworden? Das ganze Interview mit Heino Falcke können Sie im aktuellen KUCK-Magazin 63 auf den Seiten 24–31 lesen.