„Worte können so viel bewirken“

Patienten begleiten, ihnen Mut zusprechen, sie trösten und für sie da sein, wenn sie geistlichen Beistand brauchen: Die Seelsorge übernimmt in Kliniken eine wichtige Rolle. Doch wie steht es um die Krankenhaus-Seelsorge in Zeiten der Pandemie? Die KUCK-Redaktion hat nachgefragt ...

Hände © Jenny Sturm / stock.adobe.com
© Jenny Sturm / stock.adobe.com

"Der Wunsch, nicht allein am Abgrund zu stehen"

Gottesdienste und Andachten in KIK-TV gibt es schon länger. Viele Kliniken nutzen seit Jahren diese Möglichkeit und stellen entweder eigene Inhalte oder vom KLINIK INFO KANAL produzierte Gottesdienstaufzeichnungen in das hauseigene Fernsehprogramm ein. Mit Fortschreiten der Pandemie ließ sich beobachten, dass vor allem, als es auf die dunkle Jahreszeit zuging, einige Klinikpartner auf uns zukamen und Beiträge dieser Art einsetzen wollten.

Auch Pastor Michael Voigt, Krankenhausseelsorger im Naëmi-Wilke-Stift in Guben, beobachtet seit Beginn der Pandemie einen erhöhten Bedarf an geistlichem Beistand, der sich vor allem an vermehrten Anfragen in der Telefonseelsorge ablesen ließ. Wir sprachen mit ihm über seine Tätigkeit als Seelsorger und darüber, wie er die Veränderungen im Pandemiejahr 2020 wahrnimmt.

Guten Tag, Herr Voigt! Darf ich Sie fragen, wie lange Sie in Guben bereits in der Seelsorge tätig sind?

Ja, natürlich. Seit 2012 arbeite ich als Krankenhausseelsorger am Naëmi-Wilke-Stift in Guben und führe daneben noch das Pfarramt der Kirchgemeinde „Des Guten Hirten“, die mit der Arbeit im Stift eng verbunden ist. Die vielfältige Arbeit im Krankenhaus umfasst Gespräche mit Patientinnen / Patienten und Mitarbeitenden im Haus, die Begleitung Trauernder, die Begleitung von zwölf Ehrenamtlichen im Krankenhausbesuchsdienst sowie Aufgaben der Verkündigung auch an kirchlich nicht sozialisierte Mitmenschen, was für einen Pfarrer durchaus herausfordernd, weil ungewohnt, ist.

Was erhoffen sich Menschen von Ihnen, wenn Sie den Kontakt zu Ihnen suchen?

Ich meine, genau das, was wir alle voneinander erwarten, aber nur so selten erfahren, dass wir merken, dass unser Gegenüber uns wirklich versteht. Es sind oft als ausweglos empfundene Situationen, die Menschen dazu bringen, sich mir anzuvertrauen: schlimme Diagnosen, Schmerz über eigenes und fremdes Versagen, Streit, Verluste, die einen in der Stille des Krankenzimmers auf die Seele fallen. Bei der Begleitung Angehöriger im Todesfall ist es oft auch einfach der Wunsch, nicht allein am Abgrund zu stehen, wenn man realisieren muss, dass ein geliebter Mensch verstorben ist. Ganz selten fragt mich auch einmal jemand um einen Rat oder nach meiner Meinung.

Pastor Michael Voigt
Foto © Michael Voigt

Wie gestaltet sich das seelsorgende Beistehen in Zeiten von Abstandhalten und Maske-Tragen? Wie beeinflusst die Pandemie Ihre Tätigkeit als Seelsorger? Auch im Hinblick auf körperlichen Kontakt und Nähe …

Die Angst vor COVID-19 – gefördert durch die mediale Berichterstattung – zusammen mit dem Besuchsverbot für Angehörige in den Krankenhäusern seit dem ersten Lockdown vor einem Jahr haben fast alle Gespräche in der Seelsorge zu Ende gebracht. Außer zur Verabschiedung Verstorbener werde ich kaum noch gerufen. Der Gesprächsabbruch ist ein landesweites Phänomen in der Krankenhausseelsorge und ließ sich auch mit Angeboten digitaler Begegnung nicht ersetzen. Einander zu begegnen ist gefährlich, so die greifbare Wirklichkeit. Dass auch „keine Begegnungen zu haben“ die Seele krank macht, wird eine Wahrheit sein, die wir erst noch zu lernen haben.

Haben die Patienten in der Krise mehr Bedarf an Seelsorge und geistlichem Beistand? Was sind da Ihre Beobachtungen?

Bedarf? Ich weiß es nicht, und vermute, ja, auch wenn ich selbst es anders erlebe. Zwei Beobachtungen sprechen dafür: Die verschiedenen Angebote im Bereich der Telefonseelsorge sind überdurchschnittlich hoch frequentiert. Auch habe ich selbst mit Gemeindemitgliedern so viel telefoniert wie noch nie zuvor. Zum anderen stießen die Stationsandachten, die im Haus wöchentlich angeboten werden, für eine Zeit auf ein überdurchschnittliches Interesse. Auch jetzt noch gibt es mehr freundliche Resonanz als vor der Pandemie.

Neugierig geworden? Der vollständige Beitrag samt Interview ist nachzulesen im KUCK-Magazin Ausgabe 53 oder kann hier direkt heruntergeladen werden.

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